Internationaler Preis des Westfälischen Friedens an Alexis Tsipras und Zoran Zaev verliehen

„Wir haben bewiesen, dass Europa ein Katalysator für Frieden und Stabilität sein kann“

Münster/Westfalen, 28. August 2021. Mit einer pandemiebedingten Verzögerung von fast einem Jahr ist in Münster am Samstag der Internationale Preis des Westfälischen Friedens 2020 verliehen worden. Alexis Tsipras, ehemaliger griechischer Ministerpräsident, und Zoran Zaev, amtierender nordmazedonischer Ministerpräsident, erhielten die Auszeichnung für ihre Einigung im mazedonischen Namensstreit. Sie teilen sich den mit 100.000 Euro dotierten Preis mit den Klimabotschaftern von „Plant-for-the-Planet“, die den Jugendpreis erhielten. Vergeben wird der Friedenspreis alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) – in Erinnerung an das Ende des 30-jährigen Krieges im Jahr 1648. Aufgrund der Coronapandemie fand die feierliche Preisverleihung erstmals nicht im historischen Rathaus zu Münster statt, sondern – wegen der günstigeren räumlichen Verhältnisse – im Lichthof des Landesmuseums für Kunst und Kultur am Domplatz.

Tsipras und Zaev nahmen die Ehrung aus der Hand des lettischen Präsidenten Egils Levits entgegen. 2018 waren die drei baltischen Staaten mit dem Friedenspreis gewürdigt worden, Laudator Levits reichte die Bronzeplastiken des westfälischen Pferdes nun symbolisch weiter. Die beiden Preisträger hätten mit dem Prespa-Abkommen, durch das 2018 die Einigung im langjährigen mazedonischen Namensstreit besiegelt worden war, „nicht nur ein juristisches Dokument unterschrieben, sondern ein für ihre beiden Staaten und die ganze Region störendes Problem einer wahrhaft europäischen Lösung zugeführt“, sagte der lettische Staatspräsident in seiner Festrede. Levits betonte die Parallelen zwischen dem Westfälischen Frieden und der Einigung im mazedonischen Namensstreit: „Das Gemeinsame ist der Geist und Wille, lange herrschende Gegensätze zu überwinden und gemeinsam schöpferische Kraft zur Schaffung von etwas Neuem, Besserem zu finden.“ Dieser Geist des guten Kompromisses, der das Prespa-Abkommen charakterisiere, mache Tsipras und Zaev zu „würdigen Trägern des Westfälischen Friedenspreises“.

In ihren Dankesreden bekannten sich die beiden Politiker zu ihrer freundschaftlichen Zusammenarbeit, für die sie uneigennützig ihre eigenen politischen Karrieren aufs Spiel gesetzt hatten. Auch Zoran Zaev verwies auf Parallelen zwischen dem Prespa-Abkommen und dem Westfälischen Friedensschluss. „Tatsächlich spricht auch der erste Artikel des Westfälischen Friedensvertrages nicht wirklich von Frieden, sondern von Freundschaft zwischen seinen Unterzeichnern“, sagte Zaev. „Dafür steht auch das Prespa-Abkommen!“

Die Menschen in Griechenland und Nordmazedonien hätten gezeigt, „dass gemeinsame Probleme friedlich und auf der Grundlage des Völkerrechts gelöst werden können“, sagte Alexis Tsipras. „Wir haben bewiesen, dass Europa ein Katalysator für Frieden und Stabilität sein kann.“

Für die Organisation „Plant-for-the-Planet“, die den Klimawandel aktiv durch Baumpflanzaktionen bekämpft, nahmen Gründer Felix Finkbeiner und die junge Botschafterin Jana Reiter den Friedenspreis entgegen. Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands „Die jungen Unternehmer“, erklärte in ihrer Laudatio: „Klimaschutz geht nur gemeinsam. Mit allen Akteuren zusammen und nicht gegen sie. Felix Finkbeiner und seine Initiative stehen für genau das: Für aktive Lösungen statt Vorschriften und Verbote.“ Die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet zeigten, wie weit man mit Mut und Engagement kommen könne. „Sie packen das Problem an, wie ein guter Unternehmer das tun würde.“ Abschließend wünschte Röser den Jugendpreisträgern: „Lasst eure Bäume in den Himmel wachsen!“

Der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, Dr. Reinhard Zinkann, hatte in seiner Ansprache zu Beginn des Festaktes erklärt, die WWL wolle mit der Preisvergabe „ein weit strahlendes Zeichen des Friedens, der Versöhnung und eines entspannten Miteinanders in der Völkergemeinschaft“ setzen. Frieden und stabile Rahmenbedingen ermöglichten es Unternehmen erst, einen Beitrag für sozialen Ausgleich und Wohlstand leisten zu können. „Politik und Wirtschaft wirken korrespondierend für die Menschen – nicht nur hier in Westfalen: Wir brauchen uns gegenseitig – überall.“

In einem Video-Grußwort erinnerte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet daran, „dass Frieden nichts Selbstverständliches ist“, sondern dass die Menschen sich Tag für Tag dafür einsetzen müssten. Die Hoffnung auf Frieden dürfe niemals aufgegeben werden – „eine Hoffnung, die Mutige in aller Welt in Taten umgesetzt haben“, sagte Laschet.

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe hob in seinem Grußwort hervor, dass der Friedensschluss von 1648 „durch Verhandlungen auf Augenhöhe“ zustande gekommen sei. „Angesichts der Lage, in der wir uns befinden, wird deutlich, dass elementare Werte wie Frieden, gegenseitiger Respekt, Toleranz und Gerechtigkeit bedeutender denn je sind“, betonte Lewe.

Der seit 1998 verliehene Internationale Preis des Westfälischen Friedens ging bereits an Václav Havel, Helmut Kohl, Carla del Ponte, Kurt Masur, Valéry Giscard d’Estaing, Kofi Annan, Daniel Barenboim, Helmut Schmidt, die Besatzungen der Raumstation ISS, den jordanischen König Abdullah II ibn Al Hussein und die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Gemeinsam mit Persönlichkeiten oder Repräsentanten von Staaten, die zum Vorbild für Friedensarbeit in Europa und der Welt geworden sind, werden immer auch junge Menschen geehrt, die beispielgebend für Ausgleich und Frieden handeln und die sich für Nachhaltigkeit und die Zukunft ihrer Generation einsetzen. Zuletzt wurden hier die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die Jugendarbeit des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. sowie die Pfadfinder ausgezeichnet.