Internationaler Preis des Westfälischen Friedens 2020

Auszeichnung geht an Alexis Tsipras, Zoran Zaev und Plant-for-the-Planet

Münster/Westfalen, 2. Juli 2021. Fast ein Jahr später als geplant erhalten die „neuen“ Preisträger am 28. August den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2020. Das teilte die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) heute in Münster mit. Pandemiebedingt war der für September 2020 geplante Festakt verschoben worden.

Bereits im Frühjahr 2020 hatte die WWL die aktuellen Preisträger bekannt gegeben. Mit der Auszeichnung werden der frühere griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und der amtierende nordmazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev für ihre Einigung im mazedonischen Namensstreit geehrt. Der Jugendpreis 2020 geht an Felix Finkbeiner und die Repräsentanten der jungen „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ von Plant-for-the-Planet.

Um eine coronakonforme Veranstaltung mit großzügiger Luftzirkulation zu gewährleisten, findet die Preisverleihung erstmals nicht im Festsaal des münsterischen Rathauses, sondern im Lichthof des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kultur am Domplatz statt. „Wir freuen uns, dass wir den Festakt nun endlich nachholen können und zwar in einem würdigen Rahmen, bei dem alle aktuellen Vorschriften berücksichtigt werden können“, erklärt der WWL-Vorsitzende Dr. Reinhard Zinkann. Das WDR-Fernsehen werde die Veranstaltung auch wieder live übertragen.

Als Laudator für Alexis Tsipras und Zoran Zaev hat bereits der lettische Staatspräsident Egils Levits zugesagt. Er vertritt nicht nur einen der drei baltischen Staaten, die im Jahr 2018 mit dem Westfälischen Friedenspreis gewürdigt wurden. Levits hat enge Beziehungen zu Münster, er besuchte hier in den 1970er-Jahren das lettische Gymnasium. „Präsident Levits steht für einen kleineren Staat im Nordosten der EU und blickt daher mit einer ganz besonderen Perspektive auf die südöstlich gelegenen Länder unserer beiden Preisträger“, verdeutlicht der WWL-Vorsitzende Zinkann. „So können wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen, die für unsere Staatengemeinschaft von großer Bedeutung sind.“

Zum Festakt am 28. August werden wieder zahlreiche Ehrengäste in Münster erwartet. Der traditionelle Eintrag in das Goldene Buch der Stadt ist ebenso geplant wie der gemeinsame Auftritt von Geehrten und Laudatoren auf dem Sentenzbogen des Stadtweinhauses am Prinzipalmarkt. „Aufgrund der Corona-Lage müssen wir hier jedoch mit kurzfristigen organisatorischen Änderungen rechnen“, erläutert Dr. Reinhard Zinkann.

++++ Ursprungsmeldung aus dem Frühjahr 2020 ++++++

Münster/Westfalen, 19. Februar 2020. Die früheren Ministerpräsidenten Griechenlands und Nordmazedoniens, Alexis Tsipras und Zoran Zaev, werden in diesem Jahr mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens geehrt. Der Jugendpreis geht an die Initiative Plant-for-the-Planet. Wie die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) heute in Münster bekannt gab, werden die beiden Politiker für ihre Einigung im mazedonischen Namensstreit ausgezeichnet. Die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet erhalten den Preis wegen ihres aktiven Handelns gegen den Klimawandel. Die feierliche Verleihung findet am 19. September im Rathaus zu Münster statt. Das Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro – gestiftet durch das Kuratorium aus westfälischen Unternehmer-Persönlichkeiten – wird traditionell unter den Trägern geteilt.

Alexis Tsipras und Zoran Zaev haben durch ihre Einigung im jahrzehntelangen Konflikt um den Namen Mazedonien ein Kunststück der Diplomatie geschafft und dadurch ganz erheblich zur Stabilität in der gesamten Region des Balkans beigetragen“, zitierte Dr. Reinhard Zinkann, der Vorsitzende der WWL, aus der Begründung der internationalen Jury. Mazedonien hatte am 12. Februar 2019 den Staatsnamen in Republik Nordmazedonien geändert – damit wurde ein über drei Jahrzehnte erbittert geführter Konflikt zwischen den Nachbarn beigelegt. Griechenland hatte den Landesnamen Mazedonien nicht akzeptiert, da eine Region im Norden des eigenen Landes ebenfalls so heißt. 

„Beide damaligen Regierungschefs, insbesondere aber der griechische, ordneten ihre persönliche Karriere der politischen Vernunft unter, ohne Rücksicht auf den Verbleib in ihren Ämtern“, erklärte der WWL-Vorsitzende Zinkann. „Ohne Tsipras und Zaev hätte der Namensstreit auf lange Sicht kein Ende gefunden und die nachbarschaftliche Fehde hätte die gesamte Balkanregion weiterhin destabilisiert.“

Auf die Friedenspreis-Verleihung 2020 freuen sich Dr. Reinhard Zinkann (Vorsitzender der WWL) und Prof. Dr. Johannes Wessels (Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität).

Zusammen mit den beiden Staatsmännern werden in diesem Jahr die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet geehrt. „Die Organisation leistet einen beispielhaften und konkreten Beitrag im Rahmen der Bewegungen für die Klimaziele in der Welt“, erläuterte Dr. Reinhard Zinkann. Plant-for-the-Planet habe bereits vor 13 Jahren das Thema Klimawandel auf die Agenda gesetzt und vertrete den Ansatz, durch praktisches Handeln global einen wirksamen und konstruktiven Beitrag zur Klimadebatte zu leisten. 

Die Initiative wurde im Jahr 2007 von dem damals neunjährigen bayerischen Schüler Felix Finkbeiner mitbegründet. Mittlerweile ist daraus eine weltweite Bewegung geworden, der mehr als 88.000 junge „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ angehören. Jeder im Rahmen der Aktion gepflanzte Baum – bislang sind es rund 13,6 Milliarden – steht symbolisch für Klimagerechtigkeit. Das große Ziel der Bewegung ist es, weltweit eine Billion neue Bäume zu pflanzen.

„Münster Summit“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität

Thematisch und terminlich umrahmt wird die diesjährige Verleihung des Friedenspreises von einem „Münster Summit“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Am 17. und 18. September sollen die Themen Frieden und Nachhaltigkeit in Seminaren, Lesungen, Konzerten oder Podiumsdiskussionen wissenschaftlich vertieft werden. Einer der Höhepunkte wird eine Podiumsdiskussion mit den beiden Preisträgern Tsipras und Zaev sein, an der auch die ehemalige italienische Außenministerin und Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, teilnimmt. Der WWL-Vorsitzende Dr. Reinhard Zinkann äußerte sich erfreut über die Kooperation mit der Universität: „Schon bei der Stiftung unseres Preises 1998 hatten wir den Wunsch, die Erinnerung an die großartige Friedensleistung von 1648 auch wissenschaftlich noch zu vertiefen. Der ‚Münster Summit‘ wird unsere Preisverleihung nun perfekt ergänzen.“

Oberbürgermeister begrüßt Auswahl der Preisträger

Bei Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe stieß die Auswahl der diesjährigen Friedenspreisträger auf große Zustimmung: „Sie haben für unser aller Zukunft und Zusammenleben wesentliche Akzente gesetzt und tun dies weiterhin. Die Preisträger zeigen, wie wichtig es ist, nicht an Morgen, sondern rechtzeitig an Übermorgen zu denken und wie dieses Übermorgen gestaltet sein soll.“ Weiter sagte Lewe: „Um unseren Kindern und Enkelkindern – soweit es in unserer Macht steht – die Sorge zu nehmen, dass sie unter bestimmten Einschränkungen ihrer Freiheit aufwachsen müssen, tragen Alexis Tsipras und Zoran Zaev genau wie Plant-for-the-Planet dazu bei, Orte der Zukunft zu schaffen, die wegweisend und herausragend sind für andere Orte weltweit.“

Seit dem Jahr 1998 ging der Internationale Preis des Westfälischen Friedens bereits an Václav Havel, Helmut Kohl, Carla del Ponte, Kurt Masur, Valéry Giscard d’Estaing, Kofi Annan, Daniel Barenboim, Helmut Schmidt, die Besatzungen der Raumstation ISS, den jordanischen König Abdullah II ibn Al Hussein und die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Gemeinsam mit Persönlichkeiten oder Repräsentanten von Staaten, die zum Vorbild für Friedensarbeit in Europa und der Welt geworden sind, werden immer auch junge Menschen geehrt, die durch ihre Taten ein Beispiel für politische, soziale und ökologische Versöhnung und damit für Frieden in der Welt gegeben haben. Zuletzt wurden hier die Ringe Deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände ausgezeichnet.