Internationaler Preis des Westfälischen Friedens 2020

Auszeichnung geht an Alexis Tsipras, Zoran Zaev und Plant-for-the-Planet

Münster/Westfalen, 19. Februar 2020. Die früheren Ministerpräsidenten Griechenlands und Nordmazedoniens, Alexis Tsipras und Zoran Zaev, werden in diesem Jahr mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens geehrt. Der Jugendpreis geht an die Initiative Plant-for-the-Planet. Wie die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) heute in Münster bekannt gab, werden die beiden Politiker für ihre Einigung im mazedonischen Namensstreit ausgezeichnet. Die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet erhalten den Preis wegen ihres aktiven Handelns gegen den Klimawandel. Die feierliche Verleihung findet am 19. September im Rathaus zu Münster statt. Das Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro – gestiftet durch das Kuratorium aus westfälischen Unternehmer-Persönlichkeiten – wird traditionell unter den Trägern geteilt.

Alexis Tsipras und Zoran Zaev haben durch ihre Einigung im jahrzehntelangen Konflikt um den Namen Mazedonien ein Kunststück der Diplomatie geschafft und dadurch ganz erheblich zur Stabilität in der gesamten Region des Balkans beigetragen“, zitierte Dr. Reinhard Zinkann, der Vorsitzende der WWL, aus der Begründung der internationalen Jury. Mazedonien hatte am 12. Februar 2019 den Staatsnamen in Republik Nordmazedonien geändert – damit wurde ein über drei Jahrzehnte erbittert geführter Konflikt zwischen den Nachbarn beigelegt. Griechenland hatte den Landesnamen Mazedonien nicht akzeptiert, da eine Region im Norden des eigenen Landes ebenfalls so heißt. 

„Beide damaligen Regierungschefs, insbesondere aber der griechische, ordneten ihre persönliche Karriere der politischen Vernunft unter, ohne Rücksicht auf den Verbleib in ihren Ämtern“, erklärte der WWL-Vorsitzende Zinkann. „Ohne Tsipras und Zaev hätte der Namensstreit auf lange Sicht kein Ende gefunden und die nachbarschaftliche Fehde hätte die gesamte Balkanregion weiterhin destabilisiert.“

Auf die Friedenspreis-Verleihung 2020 freuen sich Dr. Reinhard Zinkann (Vorsitzender der WWL) und Prof. Dr. Johannes Wessels (Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität).

Zusammen mit den beiden Staatsmännern werden in diesem Jahr die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet geehrt. „Die Organisation leistet einen beispielhaften und konkreten Beitrag im Rahmen der Bewegungen für die Klimaziele in der Welt“, erläuterte Dr. Reinhard Zinkann. Plant-for-the-Planet habe bereits vor 13 Jahren das Thema Klimawandel auf die Agenda gesetzt und vertrete den Ansatz, durch praktisches Handeln global einen wirksamen und konstruktiven Beitrag zur Klimadebatte zu leisten. 

Die Initiative wurde im Jahr 2007 von dem damals neunjährigen bayerischen Schüler Felix Finkbeiner mitbegründet. Mittlerweile ist daraus eine weltweite Bewegung geworden, der mehr als 88.000 junge „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ angehören. Jeder im Rahmen der Aktion gepflanzte Baum – bislang sind es rund 13,6 Milliarden – steht symbolisch für Klimagerechtigkeit. Das große Ziel der Bewegung ist es, weltweit eine Billion neue Bäume zu pflanzen.

„Münster Summit“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität

Thematisch und terminlich umrahmt wird die diesjährige Verleihung des Friedenspreises von einem „Münster Summit“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Am 17. und 18. September sollen die Themen Frieden und Nachhaltigkeit in Seminaren, Lesungen, Konzerten oder Podiumsdiskussionen wissenschaftlich vertieft werden. Einer der Höhepunkte wird eine Podiumsdiskussion mit den beiden Preisträgern Tsipras und Zaev sein, an der auch die ehemalige italienische Außenministerin und Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, teilnimmt. Der WWL-Vorsitzende Dr. Reinhard Zinkann äußerte sich erfreut über die Kooperation mit der Universität: „Schon bei der Stiftung unseres Preises 1998 hatten wir den Wunsch, die Erinnerung an die großartige Friedensleistung von 1648 auch wissenschaftlich noch zu vertiefen. Der ‚Münster Summit‘ wird unsere Preisverleihung nun perfekt ergänzen.“

Oberbürgermeister begrüßt Auswahl der Preisträger

Bei Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe stieß die Auswahl der diesjährigen Friedenspreisträger auf große Zustimmung: „Sie haben für unser aller Zukunft und Zusammenleben wesentliche Akzente gesetzt und tun dies weiterhin. Die Preisträger zeigen, wie wichtig es ist, nicht an Morgen, sondern rechtzeitig an Übermorgen zu denken und wie dieses Übermorgen gestaltet sein soll.“ Weiter sagte Lewe: „Um unseren Kindern und Enkelkindern – soweit es in unserer Macht steht – die Sorge zu nehmen, dass sie unter bestimmten Einschränkungen ihrer Freiheit aufwachsen müssen, tragen Alexis Tsipras und Zoran Zaev genau wie Plant-for-the-Planet dazu bei, Orte der Zukunft zu schaffen, die wegweisend und herausragend sind für andere Orte weltweit.“

Seit dem Jahr 1998 ging der Internationale Preis des Westfälischen Friedens bereits an Václav Havel, Helmut Kohl, Carla del Ponte, Kurt Masur, Valéry Giscard d’Estaing, Kofi Annan, Daniel Barenboim, Helmut Schmidt, die Besatzungen der Raumstation ISS, den jordanischen König Abdullah II ibn Al Hussein und die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Gemeinsam mit Persönlichkeiten oder Repräsentanten von Staaten, die zum Vorbild für Friedensarbeit in Europa und der Welt geworden sind, werden immer auch junge Menschen geehrt, die durch ihre Taten ein Beispiel für politische, soziale und ökologische Versöhnung und damit für Frieden in der Welt gegeben haben. Zuletzt wurden hier die Ringe Deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände ausgezeichnet.