WWL bringt Planspiel zu Demokratie und internationaler Verantwortung an Schulen
Frieden zur Aufgabe machen

WWL bringt Planspiel zu Demokratie und internationaler Verantwortung an Schulen

Münster, 13. Juli 2026 – Was braucht Frieden heute? Mit dieser Leitfrage schickt die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. (WWL) Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10 in eine diplomatische Ausnahmesituation. Das Planspiel „Frieden zur Aufgabe machen“ versetzt Jugendliche in die Rollen von Staatschefs, Diplomaten und internationalen Beobachtern und lässt sie hautnah erleben, wie internationale Verständigung und kollektive Sicherheitspolitik funktionieren. Der Name ist dabei Programm: Frieden entsteht nicht von selbst, er muss aktiv gestaltet werden. Das Format wurde jetzt erstmals an einem Berufskolleg in Münster durchgespielt.

Am Anne-Frank-Berufskolleg schlüpfte eine Klasse des elften Jahrgangs in die Rollen von Staatschefs, Diplomaten und internationalen Beobachtern bei einem fiktiven Krisengespräch. Ausgangspunkt war ein realistisch gestalteter militärischer Zwischenfall an der estnisch-russischen Grenze, angelehnt an tatsächliche Luftraumverletzungen und Drohnenvorfälle aus dem Jahr 2025. In rund vier Schulstunden analysierten die 17 Schülerinnen und Schüler das Szenario, verhandelten Positionen und rangen um einen gemeinsamen Beschluss.

„Für mich als Lehrer war besonders wertvoll zu sehen, wie differenziert die Klasse mit dem Thema internationaler Sicherheitspolitik umgegangen ist und wie sehr sie dabei ungewohnte Perspektiven eingenommen hat. Das Planspiel leistet einen wichtigen Beitrag zu Urteilsfähigkeit und Demokratiebildung, und das mit sichtlich Spaß für alle Teilnehmenden“, sagt Philipp Stangier, Abteilungsleiter am Anne-Frank-Berufskolleg Münster und Fachlehrer für Gesellschaftswissenschaften.

Unterstützt wurde die Klasse von Jennifer Lepski, Studentin an der Universität Münster, die auf Anfrage als Planspielleiterin eingesetzt werden kann. „Beeindruckt hat mich, wie schnell die Schülerinnen und Schüler ihre Rollen angenommen haben. Ein Thema, das im Unterricht schnell abstrakt wirkt, wurde durch das Planspiel plötzlich mit Leben gefüllt“, berichtet Lepski.

Das Planspiel ist Teil des Rahmenprogramms zum Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026, den die WWL am 1. Oktober im Historischen Rathaus zu Münster verleiht. Mit dem Format trägt die WWL ihre Leitfrage direkt ins Klassenzimmer: Was braucht Frieden heute? Und was können Einzelne dazu beitragen? Preisträger ist in diesem Jahr die NATO als Institution kollektiver Sicherheit. Generalsekretär Mark Rutte nimmt die Auszeichnung stellvertretend entgegen. Die Laudatio hält Bundeskanzler Friedrich Merz.

„Wir wollen junge Menschen nicht nur über Frieden informieren, sondern sie befähigen, selbst darüber nachzudenken und zu urteilen. Wer einmal in der Rolle eines Diplomaten erlebt hat, wie schwierig es ist, unter Unsicherheit gemeinsame Lösungen zu finden, versteht die Bedeutung von Verständigung und Zusammenarbeit auf eine Weise, die kein Lehrbuch vermitteln kann. Genau das ist politische Bildung, wie wir sie uns vorstellen“, betont Dr. Reinhard Zinkann, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe.

Das Planspiel knüpft dabei bewusst an den Westfälischen Frieden von 1648 an, der in Münster und Osnabrück geschlossen wurde. Er gilt als Grundlage moderner Diplomatie, des Völkerrechts und der europäischen Friedensordnung bis heute. Schulen, die das Format durchführen, erhalten von der WWL alle Materialien kostenlos und digital: Rollenkarten, Szenarien, Glossar und eine Handreichung für Lehrkräfte.

Wer nach der Durchführung den Ergebnisbogen einreicht, nimmt zudem an einer Verlosung teil. Drei Vertreterinnen und Vertreter der Klasse können so an der Preisverleihung am 1. Oktober 2026 in Münster teilnehmen. Das Planspiel wird unterstützt vom Sozialinstitut Kommende Dortmund, der Stiftung Westfalen-Initiative und der Sparkasse Münsterland Ost.