Geschichte

SEIT 1919 STIMME DER WESTFÄLISCHEN WIRTSCHAFT

Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. ist aus dem Zusammenschluss zweier Vereinigungen entstanden: dem „Westfälisch-Lippischen Wirtschaftsbund“ mit Sitz in Bielefeld und der „Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft“ mit Sitz in Münster.

Einige Dokumente, die die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs überstanden haben, legen nahe, dass das Gründungsjahr in beiden Fällen 1919 war.

ERSTE VORTRÄGE UND LEHRGÄNGE

Der Wirtschaftsbund wollte die Unternehmer der Region zu einer „Gesinnungsgemeinschaft“ zusammenfassen. Es ging darum, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Einheit Westfalens zu dokumentieren und das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit positiver darzustellen. Ein Ansinnen war damals auch, eine Bastion gegen den vorrückenden Marxismus zu schaffen.

Dabei legte die Arbeit des Wirtschaftsbundes den Grundstein für die Tätigkeiten, die später die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe übernehmen sollte: mit Vorträgen und Lehrgängen das Verstehen der wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Diskussion über wirtschaftspolitische Themen zu fördern.

RÜCKSCHRITT DURCH REGIME UND KRIEG

1934 wurden beide Organisationen von den Nationalsozialisten zur Liquidation gezwungen und in der neuen „Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe“ zusammengeführt. Der neu gegründete Verein sollte „Aufklärungsarbeit im Sinne der Wirtschaftspolitik der Reichsregierung“ leisten.

Aufgrund dieser aufgezwängten Ziele kamen die Aktivitäten der Wirtschaftlichen Gesellschaft weitgehend zum Erliegen. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging sie ihren eigentlichen Aufgaben wieder nach.

NEUER START MIT RUNDBRIEFEN UND REFERENTEN

Bereits 1947 beginnt die WWL mit der Herausgabe einer Schriftenreihe zu wirtschaftspolitischen Themen. Ab 1949 kommt eine ganze Reihe von „Rundbriefen“ hinzu. Auch die Vortragsveranstaltungen werden wieder aufgenommen und stoßen auf große Resonanz. Die Themen sind genauso vielfältig wie die Referenten:

Ob es um „die Umsatzsteuer-Reform“, „die Grenzen der Sozialpolitik“ oder „das amerikanische Jahrhundert“ geht – die Wirtschaftliche Gesellschaft diskutiert darüber genauso, wie sie sich die Frage stellt: „Machen wir unser Klima kaputt?“ und sich mit dem „Fortleben nach dem Tod“ beschäftigt.

EIN TAG FÜR UNTERNEHMER

Wie ihre Vorgängerorganisationen ist die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe vor allem im Raum Bielefeld und im Raum Münster aktiv. Das drückt sich besonders in den Unternehmertagen aus, die von der Wirtschaftlichen Gesellschaft zum ersten Mal 1985 ausgerichtet wurden. Auf dem ersten Westfälischen Unternehmertag im April 1985 beschäftigte sich Otto Wolff von Amerongen – damals Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages – in seinem Vortrag mit dem Thema „Was macht die Wende? Regierungspolitik in der Halbzeit“.

Referent des ersten Unternehmertages Ostwestfalen-Lippe im Jahr 1981 war der damalige Bundesminister für Wirtschaft, Otto Graf Lambsdorff, mit einem Vortrag über „Aktuelle Fragen der Wirtschaftspolitik“. Die Tradition der Unternehmertage wird bis heute weitergeführt.

IM ZEICHEN DES WESTFÄLISCHEN FRIEDENS

Heute tritt die Wirtschaftliche Gesellschaft nicht nur für die Marktwirtschaft ein, sondern besonders auch für ein Europa der Regionen. Ihr Bekenntnis zum Subsidiaritätsprinzip hat sie 1994 mit der Veröffentlichung einer Arbeit des Privatdozenten Dr. Peter Nitschke mit dem Titel „Konföderiertes Europa – ein Eurotopia?“ vergeben.

1998 hat die Wirtschaftliche Gesellschaft erstmals den Preis des Westfälischen Friedens vergeben, mit dem Politiker, Wissenschaftler oder politisch aktive Gruppen ausgezeichnet werden, die sich für die föderale Organisation Europas und eine aktive Umsetzung des Subsidiaritätsgedankens einsetzen.